Leben mit Tiefe und Sinn

„Unser Handeln würde voll schöpferischer Kraft sein und könnte die Tragödie unserer Zeit bezwingen,
wenn es aus einer tieferen Schicht unseres Lebens erwüchse.
Denn unsere schöpferische Tiefe ist die Tiefe, in der wir stille sind.“

(Paul Thillich | Theologe und Philosoph)

Ich mag es tiefgründig und sinnhaft 😉

Das muss nicht notwendigerweise superkompliziert sein. Ich glaube, die tiefen Wahrheiten des Lebens, der Grund, auf dem wir ruhen und aus dessen Tiefe wir leben, sind für jeden Menschen erreichbar und begreifbar.

Ob Sie gleich mehrere Doktor- oder Professortitel Ihr eigen nennen oder ob Sie ein akademisch völlig unbedarfter Mensch sind – Die Grundlage unseres Lebens, Würde und Ausgangsbasis ist für uns alle gleich.

Manche Wahrheit ist sogar besser mit dem Herzen zu erkennen als mit dem intellektuellen Verstand; anderes dagegen bedarf gründlicher kognitiver Ausleuchtung 😉

Apropos „kognitive Ausleuchtung“. Im zarten Alter von 50 habe ich mich entschieden, noch einmal unter die Studierenden zu gehen: „Religion und Psychotherapie“ – ein faszinierendes Thema. Meine Masterarbeit hat den Titel „Mut zur Angst – Existenzielle Angst in Psychotherapie und Seelsorge“ und vergleicht drei echte „Schwergewichte“ miteinander: Irvin Yalom, Viktor Frankl und Paul Tillich, ergänzt und gewürzt durch einen Exkurs über Jürgen Habermas. Alles große Denker, intensive Zeitzeugen und höchst inspirierend.

Irgendwie habe ich in jungen Jahren die akademische Tiefe des Denkens zugunsten handfester Taten etwas vernachlässigt. Umso schöner, dass ich es in der Lebensmitte nachholen konnte. Die 40er und 50er sind ja schließlich nicht per se für die Midlife-Crisis reserviert 😉

Geradlinige Wahrheiten beeindrucken mich nach wie vor, vor allem, wenn sie sich in Taten ausdrücken. So schätze ich sehr die schlichte Aussage einer älteren Frau, die fern aller intellektueller Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens, existenziellen Fragen und diskursiven wissenschaftlichen Untersuchungen lag. Auf die Frage, ob man den Menschen in Flüchtlingslagern, die um ihre bloße Existenz kämpfen, helfen müsse, oder ob dies unsere Kapazitäten übersteigt, war ihre einfache Antwort: „Das sind doch Menschen – wir müssen doch helfen!“

Nicht immer ist Liebe zum Nächsten und Helfen auch auf Kosten der eigenen Bequemlichkeit ein zu therapierendes Helfersyndrom. Manchmal ist es einfach grundlegende Mitmenschlichkeit – Zeichen eines großen Herzens, intensiver Beobachtung der Welt und ja … ebenfalls höchst inspirierend!

Tiefe will ausgewogen sein 😉

Work-life-balance ist ganz klar ein Gebot der Stunde.

Spaziergänge in der Natur – vorzugsweise mit meinem Lieblingsmenschen, mit dem ich seit fast 30 Jahren verheiratet bin … Ein gutes Buch – noch besser gleich mehrere hintereinander … Reiten und Grafikdesign … alles wunderbare Ausgleichmöglichkeiten!

Was meinen Mann und mich allerdings geritten hat, uns zeitgleich mit Studienbeginn einen Golden-Retriever-Welpen zuzulegen weiß ich nicht mehr. Aber Milow (sein richtiger Name lautet „Unique Lucky Star of Stonefield Castle”) ist ein absoluter Schatz. Insbesondere seit er nachts durchschläft, nicht mehr im Minutentakt Gassigehen muss (wie es bei einem Welpen durchaus der Fall sein kann), allerlei Kommandos sicher beherrscht und (meistens) befolgt und überhaupt dem Golden-Retriever-Stereotyp des Gute-Laune-Hundes voll entspricht.

Milow bringt so viel weise Erkenntnisse in mein Leben, dass ich ernsthaft überlege, einen Blog mit Lebenstipps zu starten – Titel: „Das Milow-Prinzip“. Und dabei wird es mit Sicherheit um ein weites, liebevolles Herz gehen 😉 … um Gelassenheit, Freude im Hier und Jetzt, Kuschel-Glückshormone uvm. …